Zur Innovation inspiriert

Das Warenlager von Natalja Tomaschko lässt Kinderherzen rund um den Globus höher schlagen. Die Regale sind prall gefüllt mit Experimentierkästen, Zauberkästen, Brettspielen, Bastelsachen und vielen anderen Spiel- und Lernartikeln. Mit einem Sortiment aus mittlerweile 1.500 Artikeln und einem Jahresumsatz von über drei Millionen Euro hat es die Unternehmerin in einem guten Jahrzehnt bis an die Spitze der ukrainischen Spielwarenfabrikanten geschafft. Um ihre Marktposition in Deutschland auszubauen, hat sie 2014 am MP teilgenommen.

„Deutsche Firmen sind hoch automatisiert. Das hat mich beeindruckt“, sagt die Geschäftsfrau. Als sie mit ihrer MP-Gruppe zu Besuch bei einem Getränkeabfüller war – wovon sie sich für ihre Branche eigentlich nicht viel versprochen hatte – kam ihr die Idee, die Abfülltechnik in der Produktion von Aquarellfarben einzusetzen. „Die Farben wurden bei uns damals von Hand abgefüllt. Der Prozess war zeitaufwendig, kostenintensiv und fehleranfällig“, sagt sie. Tomaschko recherchierte nach einer geeigneten Maschine und wurde in Deutschland fündig. 2015 kaufte sie die 100.000 Euro teure Anlage, die seit 2016 im Einsatz ist. „Die Anschaffung hat sich in zwei bis drei Jahren rentiert. Übrigens, ganz ohne Kredit“, sagt die Finanzexpertin und Wirtschaftsfachfrau, die die Gewinne aus dem Saisongeschäft investiert hat. Die neue Technologie hat die Produktivität verzehnfacht. Während früher pro Schicht 200 Artikel hergestellt wurden, sind es jetzt 2.000. Die Automatisierung half, die Qualität und Genauigkeit beim Abfüllen zu verbessern und die Mietausgaben zu senken: Die Maschine benötigt nämlich zwanzig Mal weniger Platz.

Ihr Sortiment wird unter der Marke „Ranok Kreativ“ verkauft. Und An Gro Plus ist damit nun das einzige Unternehmen in der Ukraine, das Aquarellfarben vom Band produziert. Dass die Konkurrenz bald nachrüstet, hält die Unternehmerin für wenig wahrscheinlich. „Dafür müssen sie erst die Erfahrungen machen, die ich in Deutschland gemacht habe“, sagt sie.

Die angespannte wirtschaftliche und politische Situation in der Ukraine geht an ihrem Geschäft vorbei. „An Kindern wird als Letztes gespart. Wir haben keinerlei Rückgänge im inländischen Verkauf. Der macht mit drei Vierteln das Gros unseres Geschäfts aus“, sagt die MP-Absolventin. Damit gehört sie zu den wenigen Unternehmern im Land, die das von sich behaupten können. Tomaschko selbst hat einen zwölfjährigen Sohn. „Alexander ist im gleichen Jahr auf die Welt gekommen, in dem wir mit der Firma gestartet sind. Das war alles sehr turbulent. Die ersten Muster von Kinderpostern wurden mir auf die Säuglingsstation gebracht“, erinnert sie sich. Dadurch ist ihre persönliche Geschichte eng mit der Firmengeschichte verbunden.

Auch das Auslandsgeschäft läuft stabil, mit Lieferungen nach Deutschland, Polen, Griechenland, Spanien, Litauen und Tschechien. Zwar hat Tomaschko ihren Plan, neue Kunden in Deutschland zu finden, nicht realisieren können. Mehr als ein Jahr hat sie mit einem großen deutschen Lebensmitteldiscounter verhandelt. Man konnte sich bisher aber nicht über die Konditionen einigen. Dennoch lässt sie von ihrem Ziel nicht ab. Im Gegenteil: Die Unternehmerin plant die Eröffnung einer Repräsentanz in Deutschland. „2015 haben die Deutschen drei Milliarden Euro für Spielzeug ausgegeben. Deutschland ist damit neben Frankreich der attraktivste Markt für die Spielwarenindustrie in Europa“, erklärt sie. Zurzeit laufen Verhandlungen, die Niederlassung soll voraussichtlich 2018 in Berlin eröffnen.

Für ihren Zwölfjährigen bringt Tomaschko immer noch gern neue Spiele mit. „Wenn wir den Geburtstag meines Sohnes feiern, feiern wir immer auch den Geburtstag von unserer Firma“, sagt die ukrainische Geschäftsfrau.